Die Auswahl der Fassadenfarbe entscheidet über die nächsten 10–25 Jahre Ihres Hauses. Die falsche Wahl heißt: nach 5–8 Jahren wieder Gerüst, wieder Kosten, wieder eine Baustelle. Die richtige Wahl heißt: einmal sanieren, dann eine ganze Generation Ruhe.
Hier kommen vier Fassadenfarben-Typen in Frage. Die unterscheiden sich in Bindemittel-Chemie, Standzeit, Witterungsbeständigkeit und Preisklasse — und sind jeweils für andere Untergründe gedacht. Wer das ignoriert und „die billigste mit Algenschutz" nimmt, zahlt zweimal.
Die vier Typen — kurz und ehrlich
1) Reinacryl-Dispersion (Standard, billig, kurzlebig)
Bindemittel ist Acryl-Kunststoff in wässriger Dispersion. Wird seit Jahrzehnten verkauft, ist in jedem Baumarkt zu finden, kommt oft als „Fassadenfarbe mit Algenschutz“ daher. Standardmaterial bei „Schnell-Sanierern“.
Wie es funktioniert: Die Acryl-Dispersion bildet beim Trocknen einen dünnen geschlossenen Film auf der Wand. Diese Schicht ist wasserabweisend — aber deutlich diffusionshemmender als mineralische Systeme.
Was das praktisch heißt: Feuchte, die von innen aus der Wand will (Restbaufeuchte, Diffusionsfeuchte aus dem Wohnraum), entweicht nur langsam. Staut sie sich hinter dem Film, kann das den Anstrich abdrücken (Abplatzungen) oder Feuchteschäden begünstigen. Auf dem organischen Film siedeln sich zudem leichter Algen an als auf einer mineralischen Oberfläche.
Standzeit: 5–8 Jahre algenfrei in normaler Exposition. Komplette Lebensdauer 8–12 Jahre.
Wann sinnvoll: Wenn das Haus in 5–8 Jahren ohnehin abgerissen wird. Sonst nicht.
2) Silikonharz-Farbe (modern, atmungsaktiv, gute Wahl)
Bindemittel ist Silikonharz — eine moderne Entwicklung, die die Vorteile von mineralischen Farben (Diffusionsoffenheit) mit denen von Dispersionsfarben (einfache Verarbeitung) kombiniert.
Wie es funktioniert: Silikonharz bildet eine extrem wasserabweisende, aber gleichzeitig diffusionsoffene Schicht. Wassertropfen perlen ab (Abperleffekt), Wasserdampf kann von innen entweichen.
Hersteller-Beispiele: Caparol AmphiSilan, einzA silicon Fassadenfarbe, Brillux Secolux 918.
Standzeit: 10–15 Jahre algenfrei, komplette Lebensdauer entsprechend lang.
Wann sinnvoll: Wenn die Untergrund-Bedingungen Silikat nicht erlauben (z. B. bei altem Kunststoff-Putz, der nicht entfernt werden kann), wenn große Farbintensität gewünscht ist (Silikonharz nimmt Pigmente sehr gut auf), oder wenn die Fassade stark schlagregenexponiert ist.
3) Reine Silikatfarbe (alt, super, aber nur auf mineralischem Untergrund)
Bindemittel ist Kaliwasserglas (flüssiges Kaliumsilikat). Wird seit über 130 Jahren eingesetzt — bei mineralischen Untergründen die langlebigste Lösung. Erfunden im späten 19. Jahrhundert in Deutschland.
Wie es funktioniert: Kaliwasserglas geht mit dem mineralischen Untergrund (Mineralputz, Kalk-, Zement-Putz) eine echte chemische Verbindung ein —Verkieselung. Der Anstrich wird Teil der Wand, kein „Aufgetragener Film".
Hersteller-Beispiele: Keim Purkristalat (echtes zweikomponentiges Reinsilikat), Caparol Histolith Außenquarz — daneben die klassischen Dispersionssilikatfarben mit geringem organischem Anteil wie Keim Granital, Keim Concretal oder Caparol Histolith Mineralin.
Standzeit: 20–30 Jahre algenfrei (in normaler Exposition).
Wann sinnvoll: Bei mineralischem Untergrund (Neubau-Putz, alter Kalkputz, Sichtbeton). Bei Denkmal-Sanierungen oft alternativlos. Aber: kann nicht auf Kunststoff-Anstrichen oder Putzen verarbeitet werden — der Untergrund muss „roh“ sein.
4) Sol-Silikat (modern, vielseitig, unsere Standard-Empfehlung)
Eine moderne Weiterentwicklung der reinen Silikatfarbe — Kaliwasserglas plus Kieselsol (kolloidales Siliciumdioxid) plus minimaler organischer Bindemittel-Anteil (max. 5 %). Die Vorteile reiner Silikatfarbe ohne deren Verarbeitungsgrenzen.
Wie es funktioniert: Verkieselung wie bei reiner Silikat, plus die Möglichkeit, auch auf nicht-mineralischen Untergründen aufzutragen — auf vorhandenen Dispersions-Anstrichen oder Silikonharz-Vorgängern.
Hersteller-Beispiele: Caparol Sylitol NQG-W, einzA mineralit Sol-Fassadenfarbe, Brillux Ultrasil HP 1901, Keim Soldalit.
Standzeit: lange algenfrei, komplette Lebensdauer 20–25 Jahre, oft renovierbar mit gleichem System.
Wann sinnvoll: Bei den meisten Sanierungen, wenn der Untergrund nicht zwingend mineralisch ist. Unsere Standard-Empfehlung in Oberschwaben.
Direkter Vergleich — auf einen Blick
| Eigenschaft | Reinacryl | Silikonharz | Sol-Silikat | Silikat |
|---|---|---|---|---|
| Standzeit algenfrei | 5–8 J. | 10–15 J. | lange | 20–30 J. |
| Diffusionsoffenheit | gering | hoch | sehr hoch | maximal |
| Wasserabweisung | hoch | sehr hoch | hoch | hoch |
| Untergrund-Toleranz | hoch | hoch | mittel-hoch | nur mineralisch |
| UV-Stabilität Pigmente | mittel | hoch | sehr hoch | maximal |
| Materialpreis (relativ) | 1× | ~1,4× | ~1,6× | ~1,8× |
Untergrund-Diagnose entscheidet die Materialwahl
Welche Farbe passt, hängt zentral vom Untergrund ab. Vor jeder Materialempfehlung machen wir bei der Vor-Ort-Aufnahme zwei einfache Tests:
Test 1: Wischprobe
Mit dunklem Tuch über die Wand wischen. Wird das Tuch weiß-mehlig: kreidender Untergrund — alte Dispersionsfarbe oder versinterte Silikatschicht. Vorher mit Tiefengrund festigen, dann Sol-Silikat als Neubeschichtung.
Test 2: Wassertest
Mit Sprühflasche Wasser auf die Wand sprühen. Perlt es ab: Silikonharz oder Reinacryl als Vorgänger (dichter Kunststoff-Film). Zieht es schnell ein: mineralischer Putz oder reine Silikatfarbe (oder offene Risse — dann CM-Messung).
Premium-Hersteller im Vergleich
Wir arbeiten ausschließlich mit den vier Premium-Herstellern Caparol, einzA, Brillux und Keim. Hier die kurzen Profile:
Caparol
Deutschlands größter Baufarbenhersteller und Europas größter in Familienbesitz (DAW SE). Sylitol-Reihe (Silikat/Sol-Silikat) seit den 70er-Jahren ein Standard in Deutschland. Histolith-Reihe für denkmalgerechte Sanierungen mit klassischer Silikat-Optik. AmphiSilan als Silikonharz-Reihe.
einzA
Traditionsreiche Lackfabrik mit Sitz in Hannover, sehr gute Verarbeitungs-Eigenschaften. Die Sol-Silikat-Farbe „mineralit“ ist eine unserer bevorzugten Wahlen für die Region Oberschwaben.
Brillux
Einer der größten inhabergeführten Hersteller Europas und führender Direktanbieter, sehr breites Produktportfolio. Die Ultrasil-Reihe (Sol-Silikat) und die Silikonharz-Produkte sind regelmäßig in unseren Projekten verbaut.
Keim
Bayerischer Spezialist für reine Mineralfarben — Purkristalat (Reinsilikat seit 1878), Granital (Dispersionssilikat-Klassiker), Soldalit (Sol-Silikat), Concretal (für Beton-Untergründe). Bei Denkmal-Sanierungen oft die erste Wahl. Hochwertige Pigmente mit extrem langer UV-Stabilität.
Welche Farbe für welches Projekt — unsere Praxis-Empfehlung
Neubau-Sanierung mit neuem Putz
Reine Silikatfarbe oder Sol-Silikat. Beides liefert 20+ Jahre algenfreie Standzeit bei mineralisch sauberem Untergrund. Wir bevorzugen Sol-Silikat wegen der breiteren Verarbeitungs-Toleranz.
Renovierung Altbau mit Kunststoff-Beschichtung
Sol-Silikat (Caparol Sylitol NQG-W, einzA mineralit) oder Silikonharz (Caparol AmphiSilan). Beides funktioniert über alten Dispersionsanstrichen — Silikat geht mit dem Untergrund eine teilweise Verbindung ein, Silikonharz bildet einen diffusionsoffenen Film.
Schlagregen-exponierte Wetterseiten
Hier hat Silikonharz einen leichten Vorteil — der Abperleffekt sorgt dafür, dass Regen direkt abperlt, statt einzuziehen. Bei extrem exponierten Lagen (oberschwäbische Hochlagen, Westwand am Hang) auch eine Kombi möglich: Sol-Silikat-Grundbeschichtung mit Silikonharz-Schlussbeschichtung.
Denkmalgerechte Fassade
Klassische Silikatfarbe (Keim Purkristalat oder Granital, Caparol Histolith). Untere Denkmalbehörde gibt häufig genaue Vorgaben — wir sprechen vorab ab.
WDVS mit mineralischem Oberputz
Sol-Silikat — passt perfekt zum mineralischen Putz und gibt der gedämmten Fassade die maximale Standzeit. Bei WDVS mit Kunststoff-Oberputz: Silikonharz oder Sol-Silikat.
Was bei der Verarbeitung wichtig ist
1) Untergrund-Vorbereitung
Bei mineralischen Anstrichen entscheidet die Vorbereitung über das Endergebnis. Mehr dazu in unserem Artikel Fassade abdampfen und Tiefengrund — was 80 % des Ergebnisses ausmacht.
2) Witterung beim Anstrich
Silikatfarben brauchen je nach Produkt mindestens +5 bis +8 °C Wandtemperatur (Obergrenze ca. 25 °C) und mindestens 24 Stunden ohne Regen. Silikonharz und Reinacryl sind in der Witterungs-Toleranz flexibler, brauchen aber ebenfalls mind. 5 °C. Wir streichen darum zwischen März und November, bei stabilem Wetter — in Oberschwaben oft April bis Oktober das ideale Fenster.
3) Schichtdicke
Eine seriöse Fassadenbeschichtung hat zwei Schichten mit definierten Schichtdicken — wir dokumentieren das pro Wandfläche. Ein einziger Anstrich „mit Lasuröl verdünnt" ist keine Sanierung, sondern eine Verzögerung der Schäden um wenige Jahre.
Wann sich Premium-Material wirtschaftlich rechnet
Ein Sol-Silikat-Anstrich kostet bei der Erstinvestition typisch 25–40 % mehr als Reinacryl. Hochgerechnet auf 25 Jahre Lebenszeit ist die mineralische Variante in der Regel die günstigere Lösung:
- Reinacryl: 3 Anstriche in 25 Jahren = 3× Gerüst, 3× Material, 3× Arbeit
- Silikonharz: 1–2 Anstriche in 25 Jahren = 1–2× Gerüst usw.
- Sol-Silikat: 1 Anstrich in 20 Jahren, dann oft nur Auffrischung
Wir nennen keine konkreten Preise — die hängen zu sehr von Aufbau, Größe und Material-Kombination ab. Aber: ein Festpreis-Angebot über zwei Material-Optionen (Reinacryl vs Sol-Silikat) macht den wirtschaftlichen Vergleich für jedes Objekt möglich. Bitten Sie uns einfach im Vor-Ort-Termin um beides.
Fassaden-Erneuerung in Oberschwaben
Wir streichen Fassaden in der ganzen Region — Biberach, Laupheim, Riedlingen, Bad Saulgau, Ehingen, Munderkingen, Ochsenhausen, Warthausen und Umgebung. Bei jeder Fassadensanierung beraten wir ehrlich zur Materialwahl. Wenn Sie eine grüne, algige Fassade haben, lesen Sie auch unseren Artikel Algen und Pilze an der Fassade — was wirklich dauerhaft hilft.




